Frauen leisten Widerstand: BORG Egg betrachtet ein Ereignis vor 200 Jahren so, dass es uns alle etwas angeht
Gegen die Staatsmacht aufzubegehren, hätte jenen Frauen aus dem Bregenzerwälder Ort Krumbach, die im Jahr 1807 einer bayerischen Musterungskommission die Stirn boten, das Leben kosten können. Es ist historisch dokumentiert, dass es Christine Heidegger und Magdalena Schoch dennoch gelang, furchtlose Gleichgesinnte um sich zu scharren, die die Arbeit des bayerischen Gesandten Georg Ignaz Kuttner zumindest behindern konnten. Der war beauftragt, Männer für das napoleonische Heer zu rekrutieren. Warum Bayern und warum Napoleon? Zu den Folgen von Kriegen zählen nicht nur Tod und Leid, sondern auch die Verschiebung von Grenzen. Nach der verlorenen Schlacht von Austerlitz, bei der es Tausende Tote gab, musste Österreich Gebiete abtreten, dazu zählte etwa Vorarlberg, das somit von 1806 bis 1814 zu Bayern gehörte.
200 Jahre nach dem als „Weiberaufstand von Krumbach“ bezeichneten Widerstand verfasste die Vorarlberger Schriftstellerin Ulrike Längle ein gut recherchiertes Dokumentartheaterstück, das unter dem Titel „Tolle Weiber“ im Sommer 2007 in Krumbach uraufgeführt wurde – auf einer eigens gefertigten Holzbühne unter freiem Himmel mit Juppen und historisch nachempfundenen Uniformen.
Die Theatergruppe des BORG Egg, die in den letzten Jahren so begeisternd wie aufwühlend die Botschaften in Werken der Weltliteratur (von Dario Fo, Shakespeare, Jura Soyfer, Arthur Miller etc.) fokussierte, erinnerte mit der diesjährigen Produktion nicht nur an den Mut der Frauen vor 200 Jahren. Sie ließ durchscheinen, dass wir auch heute, in einer Demokratie und angesichts endlich gleicher Rechte von Mann und Frau aufgefordert sind, uns humaner Werte und Prinzipien stets bewusst zu sein. Dass das gelingt, obwohl das Stück durch die Verankerung im Jahr 1807 Widersprüche enthält – etwa die Ablehnung einiger aufklärerischer Ideen und das Festhalten an fragwürdigen religiösen Ritualen bei gleichzeitigem Pochen auf die Möglichkeit sich aus Vernunftgründen Weisungen der Obrigkeit zu widersetzen, – ist mehr als nur faszinierend. Rund 50 jugendliche Mitwirkende – darunter einige besondere Talente – sowie mehrere unterstützend beteiligte Lehrpersonen unter der Leitung von Direktor Ariel Lang haben ein historisches Ereignis im Bregenzerwald (ohne Juppen und Uniformen) engagiert, ernsthaft, aber auch mit durchaus zulässigem Humor so aufgegriffen, dass die grundsätzliche Thematik uns alle (und gerade jetzt wieder) betrifft. Dass die Schülerinnen und Schüler bei der Ankündigung der Produktion darauf bestanden, den Titel („Tolle Weiber“) in Klammern zu setzen, ist nachvollziehbar. Die Verwendung von Bezeichnungen und Begriffen kann durchaus überdacht werden – auch an einem so tollen Abend.
Gelegenheit zum Besuch einer Aufführung gibt es noch am 27. März im Wäldersaal in Lingenau und am 29. März im Hermann-Gmeiner-Saal in Alberschwende.
